Es war...
1976, als ich staunend bei einer Klassenfeier dem Gitarrenspiel einer Klassenkammeradin zusah, und ich beschloss: „Das will ich auch können.“ Mit einer alten, hellblau gestrichenen Wandergitarre, irgendwo gefunden auf einem Dachboden, ging es los. Erste Griffe E-Moll und D-Dur, 'Lady In Black' von 'Uriah Heap', und schon traute ich mich mit meinem 'Können' vor die Leute: „Schön gespielt Reiner,“ bekam ich zu hören, „aber musst du unbedingt singen?!“
Alles klar - ich kann nicht schön singen !
Also kaufte ich eine neue Klassikgitarre und die nächste Zeit lernte ich reine Instrumental-Stücke aus dem Bereich Klassik, Folk und Ragtime - völlig kompliziertes Zeug aber mit „eingebauter“ Melodie. Mit neuem Selbstvertrauen ging es wieder vor die Leute - à la „guckt mal, was ich jetzt kann“ und ich bekam folgendes zu hören: „Schön gespielt Reiner, aber hast du nicht irgendwas zum Mitsingen?“
Ja - was denn nun ?
Es wurde wieder Zeit für eine neue Gitarre. Eine weiße SEKOVA E-Gitarre, die entfernte Ähnlichkeit mit einer Telecaster hatte. In das alte Röhrenradio meiner Eltern noch einen Klinkenstecker eingebaut, die Gitarre aufgemotzt mit drei zusätzlichen, selbstgelöteten Verzerrern (danke Jean Pütz) und ab-ging-die-Luzi.
Zu dieser Zeit wurde die legendäre Band “Armin und Reiner” gegründet, aus der dann im Laufe der Jahre “Financial Crisis” und daraus “The Fynecry” hervorging. Da brauchte ich nur schön spielen, und das Singen überließ ich den Anderen.
Fortan lebte ich den Traum vieler Jungmusiker - reich und berühmt zu werden. Ich machte Plattenaufnahmen, gab Konzerte, verbog meine Haare und steckte all das wenige Geld in meine Instrumente und die Band.
Und wenn sie nicht ...
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Nun – berühmt bin ich nicht. Dennoch ist im Laufe der Jahre etwas entstanden, was ich nicht mehr missen möchte:
Musikmachen ist Teil meines Lebens geworden - ein unerschöpfliches Hobby
Gitarrenzeiger
Und genau hier sehe ich einen sehr wichtigen Ansatz für den Gitarrenunterricht. Dieser sollte, neben all den Zwängen und Pflichten denen man heutzutage ausgesetzt sind, eine Abwechslung bieten. So sehe ich mich auch nicht als Gitarrenlehrer, sondern vielmehr als Gitarrenzeiger und Gitarrenerzähler. Man kann in einer Stunde Gitarrenunterricht wenig lehren, was sofort zu einem Ich-Kann-Es-Gefühl führt. Es bedarf vieler Stunden, Tage, Monate und Jahre Übung, bis man ein Instrument 'beherrscht'. Und selbst dann ist dieses Wort immer noch ein Wunschwort - ein Endziel welches nie erreicht wird. Es gibt immer etwas zu verbessern und zu lernen.
Mein Hauptaugenmerk liegt deshalb auf etwas das schneller entsteht, und was ich bei meinen Schülern wecken und fördern möchte:
Spaß am Musizieren
Dies ist meiner Ansicht nach die Motivation, die zum Erfolg führt. Es heißt ja auch Gitarre spielen - und Spiel und Spaß gehören natürlich zusammen.
Noten
Eine mir oft gestellte Frage ist: „Lernt mein Kind auch nach Noten zu spielen?“
Meine ganz klare Antwort ist - nein! Allzu oft sehe ich Musiker, die diese Art des Musikmachens gelernt haben: Das roboterhafte Abspielen von Anweisungen in Form von Notationen. Aber wehe dem Moment da diese Unterlagen fehlen: Der Musikus wird plötzlich zum Schatten seines selbst - das ganze Können ist nur noch sporadisch vorhanden, und dem Instrument sind nur noch wenige zusammenhängende Töne zu entlocken. Wo bleibt da die Spontaneität und das Spiel mit der Musik ?
Die Frage „Lernt man auch Noten?“ beantworte ich mit – ja! Noten und Tabulaturen sind Teil der Musiksprache und das Verständnis eine wichtige Grundlage für die Bearbeitung und Dokumentation von Musik. Im Rahmen einer einfachen Harmonielehre speziell für Gitarristen zeige ich den Schülern, wie sie Anhand dieser Hilfsmittel Musikstücke arrangieren können. Aber immer Alles zu seiner Zeit.
Geschichten
Stur durchgeführter Unterricht liegt mir fern. Denn jeder Mensch hat andere motorische Voraussetzungen, unterschiedliches Talent, besitzt mehr oder weniger Ehrgeiz und Geduld. Bei der Gestaltung des Unterrichts muss dies seine Berücksichtigung finden. So findet auch das ein oder andere Gespräch bei Kuchen, Keks oder Eis mal seinen Platz, in dem ich aus meinem, und der Schüler aus seinem Leben erzählt.
Die bittere Pille
Eine Gitarre spielen zu lernen bedeutet das Erlernen einer motorischen Fähigkeit und Präzision, bei der es nicht auf Millimeterarbeit sondern auf Zehntelmillimeterarbeit ankommt. Die Kräftigung und Dehnung der Finger und Hände, das Bewältigen komplexe Bewegungsabläufe wie: Schauen, Bewegen der Arme, Hände und Finger, Singen und vielleicht noch mit dem Fuß zum Rhythmus tippen, und das alles gleichzeitig, bedarf vieler Übung und Wiederholungen. All das dauert seine Zeit und daher ist ein gewisses Maß an Disziplin, Regelmäßigkeit und Konsequenz Grundvoraussetzung zum Erlernen des Instruments. Dabei einen guten Kompromiss zu finden zwischen Spaß und Arbeit darf nie aus den Augen verloren werden.
... im Zweifel entscheide ich immer zu Gunsten des Spaßes.
Reiner